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Zen-Kunst

Was ist das eigentlich?

Es gibt mehrere Gründe, warum ich über dieses Thema schreiben möchte, doch der Hauptgund ist wohl der, selbst ein klareres Verständnis dieses Begriffes erlangen zu wollen, wenn nicht gar eine Definition dessen. Selbst Künstler als auch Zen-Praktiker benutzte ich den Begriff eine gewisse Zeit mit einer naiven Selbstverständlichkeit. Vor einigen Jahren jedoch hatte ich die Idee, eine Zen-Klangperformance zu initiieren und begann in der Vorbereitungsphase, mich konkret mit den Begriffen Zen-Kunst und Zen-Musik auseinanderzusetzen.

vaseDas erste Ergebnis war ein frontaler Zusammenstoß mit diesen zwei monumentalen Begriffen und ihrer Inhalte - ZEN und KUNST. Allein schon bei dem Versuch, jedes für sich zu definieren, sträubten sich mir die Nackenhaare wissend, hier - bei dem Versuch, es in Worte zu fassen - kläglich versagen zu müssen.
Nicht, weil ich in diesen Bereichen unbedarft wäre, denn beide sind seit rund fiinfzehn Jahren Teil meines Lebens, so daß ich in beiden Fällen von Erfahrung sprechen darf Vielleicht zögere ich gerade deswegen, diese Worte zum einem auseinander zu basteln und sie dann zum anderen auch noch zu einem wieder zusammenzubauen.

Sicherlich gibt es zunächst einmal eine bestimmte Zen-Kunst, die sich folgendermaßen beschreiben läßt: Es ist die [Kunst (in welcher Kunstform auch immer), die vom Wesen des Zen beinflußt wurde. Hierbei beziehe ich mich im Besonderen auf die ursprünglichen japanischen Kunstformen der Dichtkunst, der Kalligrafie, Architektur,des lkebana etc.. Hier steht Zen im Hintergrund, vergleichbar vielleicht mit dem Klima einer Region, welches Fauna und Flora dieser Region prägt und hierüber zum Ausdruck kommt.

So ergibt sich für mich die spannende Frage: Gibt es außerdem eine direkte Zen- Kunst?

Konkreter gesagt, will ich ein Zen-Bild malen oder eine Zen-Klangperformance aufführen, so gibt es für beide nach meinem eigentlichen Verständnis jeweils nur eine Erfüllung:

- das Zen-Bild ist ein leeres Blatt

- Zen-Musik ist die Aufführung von Stille

Dies stellt mich jedoch nicht zufrieden, denn das Bedürfnis des Künstlers ist auch das der Mitteilung und eben diese oben genannte würde sicherlich mißverstanden. Eine oft gemachte Erfahrung in diesem Zusammenhang ist nämlich jene, das der Betrachter bzw. Zuhörer nicht das wahrnimmt, was ich ihm mitteilen möchte. Mein innerstes Bedürfnis ist, ihm KU (die Leere) zu zeigen, doch das, was der Betrachter meist wahrnimmt, ist alleine etwas, welches ich gerne "das Fehlen von..." nenne. Ich verwende ein Beispiel:

lch zeige auf eine leere Flasche und weise auf die Leere, will sagen: " Sieh die Leere!" Die Resonanz des Betrachters ist jedoch zumeist: "Ja, da ist nichts drin." Er sieht nicht die Leere, sondern alleine " das Fehlen von...". Damit bin ich jedoch nicht zufrieden, da ich einerseits noch weit von meinem Buddhasein entfernt bin, andererseits - wie die meisten Zenleute - ein hartnäckiger Mensch bin.

Diese kreative Frustration animiert mich zu einem Umweg: In die Leere setze ich einige wenige schlichte Elemente, anhand derer sich der Betrachter bzw.-. Zuhörer festhalten kann, die ihm jedoch ermöglichen, das, was zwischen diesen Elementen ist, anzunehmen. Beispiele hierfür sind z.B. ein Zen-Garten: eine weite, mit Kieseln ausgelegte Fläche, auf welcher vereinzelt Steinbrocken angeordnet sind.

Spärlich. Einfach. Vollkommen.

meer

Unauffällig, und doch.... Genau dort ist KU, wird KU wahrnehmbar .Ein anderes Beispiel mögen die Töne einer Shakuhashi, der japanischen Bambusflöte sein. Ihre einzelnen, spärlichen Klänge verlieren sich im Raum, gleiten hinüber in die Leere, geleiten zu KU. Vielleicht wäre dies eine annehmbare Definition fiir direkte Zen-Kunst: Es ist jener künstlerische Ausdruck, welcher KU spürbar/erfahrbar werden läßt. Nicht mehr. Nicht weniger.

Vielleicht liegt in KU auch die Hemmung des Betrachters/Zuhörers. Oft habe ich die Erfahrung gemacht, daß die Leere bzw. eigentlich "das Fehlen von..." uns verunsichert, beängstigt, wir uns davor verwahren aufgrund der Angst, sich darin zu verlieren. Deshalb zögern wir vor der Leere und klammern uns an die Brocken, welche jenseits der Leere herumliegen. Tatsächlich jedoch sind es die Erscheinungsformen (SHlKI), an welche wir uns klammern, welche letztendlich nichts anderes als KU sind.

Wenn ich nun meine Arbeit, Performance etc. Zen-Musik nenne, so geht es mir eigentlich um das, was hinter allen Klängen steht, um den Urgrund.

Ihn aber kann ich nicht - und brauche ich auch nicht - zu schaffen, da er einfach IST , wenngleich ich ihn spürbar machen will. Also benötige ich ein Hilfsmittel, in diesem Falle den Klang, und greife zu einem weiteren Bild:

Ich möchte dem Blinden den Weg zum Rosenstrauch weisen. Da ich nicht auf die Rosen zeigen kann, lasse ich ihn dem Summen der Bienen folgen, die ihn zum Rosenstrauch führen. Die Bienen sind meine Klänge, die ich während der Performance erzeuge, sie sind SHIKI und dort wo SHIKI ist, ist auch KU. Dies wäre vielleicht eine weitere Art von Zen-Musik, jene, die vom lnterpreten aus auf etwas - genaugenommen auf KU - hinweisen will.Einen Haken hat sie allerdings und genügt daher meinem Anspruch nicht ganz: Sie ist nicht MUSHOTOKU, ohne Ziel und Zweck. Genau, da ist der Haken der ganzen Klanggeschichte!

Vielleicht ist jedoch hier mein Anspruch zu hoch, denn auch der Gestalter eines japanischen Zen-Gartens führt den Rechen nicht ohne Ziel und Zweck durch die Kiesel. Die eigentliche Zen-Musik, aus sich heraus vollkommen, ist in diesem Sinne überhaupt nicht produzierbar. Diese vollzieht sich aus sich heraus, z.B. das Murmeln eines Baches, das Rauschen der Blätter im Wald oder vielleicht auch das Tropfen eines Wasserhahnes. Nun glaube ich, tatsächlich schon eine Menge Zen-Musik gemacht zu haben, ohne es zu wissen. Vielleicht gerade deswegen.